af4e Blog

hier schreibt ein einfacher Berliner Basketball-Fan

Erfolg um jeden Preis oder etwas anders?

Bleibt Muli oder bleibt er nicht. Das ist derzeit eine der wichtigsten Fragen der Albafans. Das ist eine spannende Frage, aber für mich nicht die Frage Nummer 1. Für mich ist es spannender, ob Alba seinem Konzept „Erfolg um jeden Preis“ treu bleibt?

In den letzten drei Jahren wollte Alba aus meiner Sicht mit aller Macht in die Euroleague und dies mit einem großen Aufwand, besonders finanziell. Alba hatte 11 oder gar 12 Profis im Kader. Wenn Spieler nicht perfekt funktionierten wurden sie einfach ausgewechselt. Nicht das diese Wechsel wirklich funktioniert haben, aber man musste es halt versuchen, denn man wollte in die Euroleague. Dabei wurde allerdings nicht gerade wenig Geld verbrannt. Dies hatte zur Folge, dass Alba in der Bilanz im EBundanzeiger eine „Überschuldung“ von 1,2 Millionen Euro ausweisen musste. Und dies obwohl die Alba AG durch die GmbH Gründung einmalig Geld gegeben hat und man auch durch den Wechsel in die O2 World über eine Million Euro einmalig von Anschütz bekommen hat. Wenn man davon ausgeht, dass Alba auch in diesem Jahr, mit den vielen Wechseln und Entlassungen) sicher nicht sehr günstig weggekommen ist, kann man erwarten, dass Alba zu diesem Zeitpunkt finanziell an dem Punkt ist, wie nach der Zeit von Sevitislav Pesic ist. Diesmal braucht man für den Schuldenberg, aber keine acht oder neun Jahre, sondern schaffte es in drei bis vier Jahren. Respekt! Zusätzlich erarbeitete man sich noch einen zweifelhaften Ruf bei der Entwicklung von Talenten zum Profispieler.

Für mich stellt sich jetzt die Frage, ob Alba wirklich so weiterarbeiten kann. Besonders wo das alles, wenig überraschend, halt auch kein Erfolg garantieren kann. Wirklich erfolgreich war eher die gegenteilige Taktik. Brose setzte auf eine 8er Rotation, die ergänzt wird mit Talenten. Gerne auch mit Talenten wie Karsten Tadda, der jetzt kein ganz großen Basketballer wird, aber seine Aufgabe als Rollenspieler für 10 bis 15 Minuten gerne und mit Herzblut erfüllt. Mit dieser Taktik kann man Erfolg haben, aber ich bin mir recht sicher, dass vor 2 Jahren keiner in Bamberg auch nur ansatzweise diesen Erfolg erwartet hat. Und trotzdem ist er gekommen und weil man Talenten zumindest eine Perspektive aufzeigte, hat man sogar gute Talente (z.B. Stuckey, Neumann) in der Hinterhand und wenn man andere Talente will, kann man sie sogar nach Bamberg locken. Das Perverse an der erfolgreichen Bamberger Taktik ist, dass dies eigentlich die Taktik ist, mit der auch Alba schon sehr erfolgreich war. Früher als alles besser war… 😉

Ich bin gespannt in welche Richtung Alba marschieren wird. So wie in den letzten zwei Jahren kann es konzeptionell eigentlich kaum weitergehen, weil es finanziell an der ganz großen Wand enden könnte. Ich gehe fest davon aus, dass kein Trainer in der nächsten Zeit so viel Geld zur Verfügung hat, wie ein gewisser Luka Pavicevic in den letzten Jahren. Ein ähnliches Schicksal hatte auch schon Mutapcic und Rödl bei Alba, die damals die Schulden von Pesic abbauen mussten. Von einer Rotationsverkleinerung auf zehn Profis gehe ich fest aus. Gespannt bin ich aber, ob man perspektivisch vielleicht wieder mehr auf die eigene Jugend setzten will. Aktuell steht man da mit fast leeren Händen da und kann auf wenig bauen. Aber mit einem glaubwürdigen neuen Konzept bekommt man vielleicht so wieder Vertrauen von jungen Spielern und kann so in zwei oder drei Jahren wieder Talente auf den Positionen 9 oder 10 im Kader haben, die dann auch die Qualität haben um Alba zu helfen. Wenn man so etwas in zwei oder drei Jahren haben will, muss man diesen Sommer eigentlich schon offensiver in diesem Bereich scouten.

Mal sehen welchen Weg Alba gehen wird. Sollte Katzurin bleiben, erwarte ich eher den Weg in Richtung “Erfolg um jeden Preis“. Den Ruf des soliden Aufbaus eines Team mit Perspektive hat er sich bisher jeden falls in Europa nicht so erarbeitet. Allerdings muss ich sagen, dass ich Muli nicht so wirklich einschätzen kann. Er könnte mich da auch problemlos überraschen, was allerdings auch keine so große Überraschung wäre. 😉 Sollte es einen anderen Trainer als Katzurin werden, gehe ich eher von einem neuen Weg aus. Denn für das in den letzten Jahren verfolgte Konzept, hat man mit Muli schon ein Trainer gefunden, der seine Qualitäten gezeigt hat. Dann müsste man das „Pferd“ nur austauschen, falls es aus eigenem Wunsch in Israel arbeiten will. Ich bin gespannt auf die mittelfristige Zukunft.

Die wird sich in den nächsten Tagen nicht entscheiden, aber die Richtung könnte ziemlich konkret festgelegt werden.

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13 Antworten zu “Erfolg um jeden Preis oder etwas anders?

  1. Gruebler 27. Juni 2011 um 15:37

    Schöne und fuer dieses Blog sehr typische und konsequente Intervention. Nur, wenn Alba anders als Brose keinen Nachwuchs hat, wo nimmst du ihn her? Ich befürchte, du machst es dir hier mit einer Henne/Ei Diskussion etwas leicht.

    • Roy 28. Juni 2011 um 19:04

      Alba könnte sie dort hernehmen, wo sie brose herholt. Brose hat ja de facto auch keinei eigenen Talente, bis auf Tadda, der wiederum aber nicht wirklich ein Talent ist. Alle anderen, die in Bamberg halbwegs geschickt einen Basketball auf den Boden tippen können, wurden aus allen Teilen der Republik zusammengekauft. Pleiss, Neumann, Stuckey usw usf. Das hätte Alba auch machen können bzw. das können sie immer noch – ham se aba nich! Zum einen, weil sie der – imo wenig realistischen und erfolgversprechenden – sentimal-idealistischen Idee nachhängen, alles selbst entwickeln zu wollen. Dafür ist allein der Berliner „Markt“ (eigentlich nehme ich dieses Wort iZm Kinder-Basketballern ungern in den Mund) schon zu heterogen. Allein in der unmittelbaren Nachbarschaft gibt es schon drei, eher vier, sehr ernsthafte Programme. Das ist sehr zu begrüßen, wenn einem Nachwuchsbasketball am Herzen liegt, sorgt aber für eine natürliche Zerstreuung der Talente übers Stadtgebiet, was möglicherweise Alba nicht ganz so gut gefällt, deren Anspruch es sein dürfte, daß die besten Berliner Talente eben bei Alba spielen sollten.
      Aber das ist gar nicht der Hauptpunkt. Viel wichtiger ist die Perspektive. Und da hat brose Alba etwas voraus, ganz egal, wo die auch immer die Spieler herholen. Ein relativ limitierter Tadda spielt bei den einen, ein kein Stück weniger talentierter Saibou oder Seiferth ist bei den anderen auf dem Feld kaum vorstellbar. Die realistische Chance auf Spielzeit ist eben genau DER entscheidende Unterschied. Wenn Alba mal über den Status hinaus will, daß Nachwuchsarbeit bis zur NBBL reicht und kein Stück weiter, muss ein Umdenken stattfinden. Kein anderes Team der BBL investiert so viel in Nachwuchsarbeit im weiteren Sinne wie Alba, man hat allerdings das Gefühl, daß sich das wirklich kein bisschen sportlich auszahlt. Aber ein selbst gemachtes Problem …

  2. af4e 27. Juni 2011 um 22:30

    Ich könnte es mir ganz einfach machen und sagen, sie holen den Nachwuchs von IBBA Berlin. 😀 Und wenn das nicht reicht, kann man auch das ein oder andere Toptalent aus Deutschland verpflichten (so wie Brose mit Neumann oder Stuckey). Das alles kann aber strukturell nur funktionieren, wenn man einem Spieler nach dem Abitur mehr als „Hartz 4“ zahlen will oder kann. Bisher wurde fast jeder Spieler mit dem Ziel Profisportler zu werden, fast automatisch von Alba weggejagt, weil es kein Geld gab. Aber Geld hin oder her, musst du auch den Spielern eine sportliche Perspektive geben. Hinter Chubb und Sekulic hätte halt auch ein 19 Jähriger Pleiss keine realistische Chance auf Spielzeit. Hinter Jenkins/McElroy/Jacobsen/Herber würde ein Tadda keine 2 Sekunden sehen.

    Das alles scheint derzeit z.B. Bamberg jungen Spielern bieten zu können. Alba wollte das zuletzt nicht. Grundsätzlich kann beides sehr erfolgreich sein oder auch schief gehen. Ich bin erst mal nur gespannt, wo Alba seine Zukunft sieht.

    • Roy 28. Juni 2011 um 21:28

      Zu dem Thema passt ja wie der Nagel auf den Kopf, daß Konsti Klein („borderline“-U20-Nationalspieler) nach Gotha gehen wird. Ein Team ohne größere Ambitionen und Visionen, aber eines, das ihn fürs Basketballspielen bezahlt.

  3. af4e 28. Juni 2011 um 22:23

    Wenn man sieht was die Gegner so für Spieler verpflichten, steht auch die Frage im Raum, ob Alba in Zukunft auch um den Titel mitspielen kann, wenn man es nur über den reinen Etat schaffen will. Der Trend spricht da eher gegen Alba und für die Konkurrenz. Wenn man dann noch zusätzlich vielleicht mal konsolidieren muss, braucht man vielleicht eine neue Strategie…

  4. Roy 29. Juni 2011 um 21:36

    Hhhmh, watt nu? – Gordon Herbert
    Ist wieder so ein halbes Ding, weder wirklich Erfolg um jeden Preis und Angriff mit caracho (eher Erfolg zu dem Preis, den man sich [noch] leisten kann) noch ein wirklicher struktureller Neuaufbau.

    Baildi meint zwar via Tagesspiegel:
    „Die Zukunft heißt nun Gordon Herbert. Nach Willen von Marco Baldi soll er vor allem deutsche Talente fördern, was „in den kommenden Jahren eine steigende Bedeutung haben wird“, wie der Geschäftsführer verspricht.“
    aber wie weit geht das über normale Propaganda hinaus?

    Diese Herbert Verpflichtung ist ein wenig desillusionierend, zeigt das Potenzial, welches Alba im Moment hat. Angriff in Richtung Europa? – forget about it!

    • booker 29. Juni 2011 um 22:20

      Also watt denn nun? Baldi/ALBA will mit Herbert deutsche Talente fördern. Klar, alles pure Propaganda, sichersicher. Aber imho ist hier erstmal positiv festzustellen, dass ein Problem erkannt ist und damit umgegangen wird. Man kann das ja dann kritisch begleiten, aber es sofort wieder zu zerreden… ich weiß nicht.

      Und da müssen sich die Anhänger schon auch kritisch befragen: Was hat denn nun Priorität. Talente entwickeln (ohne den Erfolg aus dem Blick zu verlieren) oder Angriff auf Europa mit aller Kraft. Ich meine, das geht nicht 100%ig zusammen. Trotz oder vielleicht sogar wegen broses 2010er EL-Abschneiden (ot: Der Sieg gegen Oly war natürlich ein Fest. Ich mag das, wenn sich die Roten gegenseitig zerfleischen! 😀 ).

      • Roy 30. Juni 2011 um 18:47

        Ein Fragezeichen steht bei mir hinter „Propaganda“. Ich meine, man kann das mit Recht hinterfragen. Davon, daß Alba deutsche Talente fördern will und daß das eine steigende Bedeutung hat, reden die Verantwortlichen seit fast 10 Jahren, ganz massiv seit mindestens 5 Jahren. Die bloße Willensbekundung ist also alles andere als neu. Die bloße Wiederholung von Dingen die so schon hundert mal gesagt wurden, bloß der Name Herbert wurde für den seiner Vorgänger eingesetzt. Was tatsächlich in den letzten Jahren in dieser Hinsicht passiert ist, war deutlich weniger, als man aufgrund von Ankündigungen erwarten konnte. Es kann ja alles sein und es wäre auch sehr schön, wenn es dieses Mal über Lippenbekenntnisse hinaus geht, aber aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre bin ich erst mal zurückhaltend skeptisch. Ich will da erst mal Taten sehen, Sprüche habe ich genug gehört.

        Daß sich beides (voller Angriff auf Europa / verstärktes Nachwuchsengagement) nicht konsequent paralell betreiben lässt, sehe ich ähnlich. Es wäre aber schon ein Fortschritt, wenn EINER der beiden Punkte total konsequent verfolgt würde. Das fände ich besser, als so ein Mischmasch, den ich irgendwie schon wieder wahrnehme.

  5. Jakob 30. Juni 2011 um 07:19

    Wenn Alba auch finanziell etwas kürzer treten muss, dann passt die Aussage von Baldi ja wie die Faust aufs Auge: „Seine Arbeit kennzeichnet sich dadurch, dass er an seinen verschiedenen Stationen immer das Optimum aus den gegebenen Möglichkeiten herausgeholt hat.“

  6. peterzwei 30. Juni 2011 um 14:32

    Das mit der Knete ist kein Problem, liguide ist Alba und die PA-FI Panda Finance Vermögensverwaltungs GmbH (ein Anhängsel unseres Müllentsorgers) hat sich ja im Bedarfsfalle zum Nachschießen von bis zu 4 Mio. Euro verpflichtet, wie der Bilanz ebenfalls zu Entnehmen ist..

    Die Verbindlichkeiten bestehen im Wesentlichen gegenüber der ALBA AG. Die wird sie nicht sofort fällig stellen.

    Uns gehts Gold, wenn die Bilanz stimmt. Nur sollten wir mal wieder gewinnen, wenn´s nicht auf Dauer zuschussträchtig bleiben soll. Irgendwann ist auch das Geld aufgebraucht.

    • af4e 30. Juni 2011 um 19:21

      Das mit dem Geld ist kurzfristig sicher kein Problem. Wobei auch Alba irgendwann das Geld mal wieder haben will und es sicher nicht als zusätzliches Sponsoring sehen wird bzw. sehen kann.Allerdings sind von den maximal 4 Millionen Puffer halt auch schon einiges weg. Nur noch 50% davon oder weniger sind jetzt nicht mehr so viel. Jedenfalls nicht so viel, um ständig in solchen Dimensionen Verluste zu machen.

      • Roy 30. Juni 2011 um 21:17

        Das mit dem Geld sehe ich auch nicht als riesiges Problem. Immerhin wurden davon ein paar Spieler / Trainer mehr ernährt, als sonst der Fall gewesen wäre. Das ist doch auch irgendwie schön. Jedenfalls für die Betroffenen ;-).
        Klar, es darf natürlich nicht immer in die gleiche Richtung gehen. Am schönsten wäre es, wenn erst gar keine teuren Fehler gemacht werden würden, die dann ausgeglichen werden müssen. Aber, that’s life … Was wären die Alternativen gewesen? Natürlich hätte man im Januar auch gar nichts machen müssen, an Zählbarem wäre es auf das Gleiche hinaus gelaufen. Man wäre dann auch Nicht-Meister, Nicht-Pokalsieger, Nicht-EC-Top8 geworden. Trotzdem fand ich es in diesem Fall richtig, Schulden zu machen, zu handeln, statt zuzusehen. Ohne die letzten 90 Sekunden wären die Januar-Investitionen sogar richtig gut angelegtes Geld gewesen. Wenigstens versuchen muss man es aber, wenn man – noch – die Möglichkeiten dazu hat. Ein paar Fehlgriffe weniger sollte sich Herbert allerdings leisten …

  7. booker 1. Juli 2011 um 14:53

    @roy
    Europa/Jugend: Mischmasch ist mir persönlich in dem Fall lieber.
    Jugendförderung („Darüber hinaus setzt [Herbert] intensiv auf die Ausbildung und Integration von Nachwuchstalenten, was für uns in den kommenden Jahren eine steigende Bedeutung haben wird“): Ich habe Aussagen in dieser konkreten Form bei anderen Trainerverpflichtungen nicht in Erinnerung.

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